ElitePartner

In letzter Zeit werden wir ja zunehmend mit Werbung für die Seite ElitePartner.de „verwöhnt“. Schon wenn ich den Werbeslogan höre („Akademiker und Singles mit Niveau“) entsteht in mir so ein widerstrebendes Gefühl. Was soll das denn heißen? Wollen die uns glauben machen, dass nur Akademiker Niveau haben und dass Akademiker am besten unter sich bleiben?
Offenbar ja. Denn schaut man sich auf der Homepage dieser Elite-Partnerbörse um, wird schnell klar: Hier suchen Akademiker (ich vermute, auch Akademikerinnen) nach PartnerInnen, und diese sind wohl von Natur aus „kultiviert und niveauvoll“.

Grundsätzlich stehe ich Online-Partnerbörsen recht positiv gegenüber. Ich meine, warum auch nicht? Jedoch will mir nicht ganz in den Kopf, weshalb ich mich bei der Suche auf AkademikerInnen beschränken sollte. Ein Universitätsabschluss ist wohl kaum der Beleg für einen guten Charakter, Kultiviertheit, Humor und oftmals nicht einmal für herausragende Klugheit, wie wohl jedeR wissen dürfte, die oder der sich mal an einer Universität aufgehalten hat. Im Gegenzug ist es mindestens genauso obskur, einem Menschen ohne Universitätsabschluss Klugheit, Charakter und andere Qualitäten abzusprechen.

Des weiteren stoßen mir die Bilder auf der Seite sauer auf. Sie werden im Viererpack dargeboten, jeweils zwei Männer und zwei Frauen. Kurioserweise handelt es sich bei allen von mir inspizierten Bilderblöcken um Bilder zweier junger Frauen, eines jungen und eines älteren Mannes. Was soll das nun wieder? Weibliche Singles sind alle jung, männliche hingegen altersmäßig gut durchmischt? Oder möchte man dem noch zu ködernden männlichen, zukünftigen Mitglied dieser (kostenpflichtigen) Seite suggerieren: Hier gibt es nur junge, attraktive Single-Frauen. ?
Möchte man hier wieder einmal die älteren Frauen (also, sagen wir mal Ü35?!) ausradieren und unter den Tisch fallen lassen? Das ist keine Seite, auf der ich mich wohlfühlen würde.

Und dann sind die Bilder auch noch so furchtbar aussagekräftig untertitelt mit „Kardiologe / Architekt / Träumerin / Designerin“. Schöner hätte ich gefunden „Kardiologin / Architektin / Träumer / Designer“. Das wärs doch. Dorthin würde mich die Neugier vielleicht sogar locken, aber bestimmt nicht auf eine Seite, die nur wieder endlos alte Klischees reproduziert und dabei auch noch unangenehm elitär und versnobt daherkommt. Auf dieser Seite spielen Männer mit silbernen Schläfen Golf und basteln an Oldtimern. Wenn es das ist, von dem junge Akademikerinnen träumen, dann hat Bildung diese Menschen offenbar nicht weitergebracht…

Die akademische Singlebörse stellt außerdem die Liebe so hin, als sei sie ein wissenschaftliches Projekt oder Problem, an das man demzufolge auch mit wissenschaftlichen Methoden herangehen könnte. So wird zum Beispiel kühn in den Raum gestellt „Liebe ist kein Zufall“. Nein? Was dann? Alles von Wert und Wichtigkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen ist doch im Grunde Zufall, oder Schicksal, oder wie auch immer diese Kraft zu bezeichnen wäre, aber sicher nicht akribisch planbar. Auf dieser Seite aber gibt es die „Liebe nach Plan“. Schon bei der Anmeldung geht es daher sehr planvoll zu: „Wie alt und wie groß soll er oder sie sein?“ Immerhin wird an dieser Stelle mal die genderkorrekte Schreibweise benutzt, das gibt ein kleines Plus. Gefolgt von „Kommt ein Nicht-Akademiker für Sie in Frage?“. Da stehen wir doch wieder am Wühltisch und sehen mitleidig auf den schmuddeligen, grauen, nicht-akademischen Putzlappen herab, den niemand haben will. Ungeheuerlich!

Fazit: PartnerInnen finden kann man auf dieser Seite wahrscheinlich so gut oder schlecht wie überall, wenn überhaupt dann aber sicher nicht besser, sondern schlechter, weil der Großteil der echt tollen, klugen und interessanten Nicht-AkademikerInnen abgeschreckt sein und sich nicht anmelden wird. Und das mit Recht.


2 Antworten auf „ElitePartner“


  1. 1 modus 11. Januar 2010 um 22:31 Uhr

    Sehr sehr guter Beitrag. Mir ist diese Werbung auch schon merkwürdig aufgefallen und ich bin erfreut dass sich hier jemand äußert.

  2. 2 Wortbahnhof 11. Januar 2010 um 22:59 Uhr

    Ich finde es auch ehrlich gesagt schrecklich. Besonders solche Aussagen, wie „Liebe muss kein Zufall sein“, da denke ich mir: Hallo? Warum bitte sollte man wollen, dass etwas, wie Liebe nicht zufällig passiert, sonder durchgeplant zu sein scheint?
    Das passt auch wiederum zu den AkademikerInnen, die ihr ganzes Leben planen wollen. Zumindest wird das so suggeriert.

    Auch furchtbar finde ich: Seitensprung18, eine Werbung im Fernsehen, in der ein komischer Mensch die betrachtende Person anspricht mit „Bedürfnisse ändern sich…“ …wah…

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